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Let there be rock

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Regie: Till und Nika

Jackpot

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Regie: Till und Nika

Let There Be Rock

1999: 12inch / MCD

K.O.O.K.

1999: LP / CD

Jackpot

1999: 12inch / MCD

Huch, keine Pollergebnisse! Erstmals seit „Digital ist besser“ ist ein Jahr ohne neues Tocotronic-Album vergangen. Doch das nächste wird schon im Soundgarden abgemischt und bekommt den Namen „K.O.O.K.“ – Jan findet derweil Zeit, das zweite Album von Jonas für Rock-o-Tronic zu produzieren. Die Band probiert die neuen Stücke auch auf der Bühne aus, bei einzelnen Konzerten in Kopenhagen, Amsterdam, Wien und Belgien (dort mit To Rococo Rot, was sich natürlich auf den Plakaten sehr gut macht).

Mai/Juni 1999

Nun kehren Tocotronic auch auf deutsche Konzertbühnen zurück – und zwar mit sehr kontrastreichen Auftritten: Bei Rock im Park/ am Ring (nachmittags auf der großen Bühne), einem Antifa-Festival in Greifswald, sowie mit ihrer eigenen Theater-Tournee. Der Hintergrund ist, dass der Band die Konzerte in der Berliner Volksbühne immer großen Spaß machten. Außerdem sollen ja diesmal überwiegend Stücke zur Aufführung gelangen, die das Publikum noch nicht kennt – die Theatersitze sollen zum entspannten Zuhören einladen. Der Erfolg der Auftritte steht und fällt etwas mit der Atmosphäre der Theater, besonders die Volksbühne und Hamburgs Schauspielhaus wissen zu gefallen. Im Sendesaal des ORF in Wien kommt es zu amüsanten Schwierigkeiten der Rundfunktechniker mit der Klangübertragung: Immer neue Mikrofone werden vor Dirk aufgebaut.

Wie erhofft, kommt bei den Theaterkonzerten das neue Lied „Let There Be Rock“ besonders gut an, denn es wird auch die Vorabsingle zu „K.O.O.K.“ und steigt im Juni auf Platz 38 in die deutschen Singlecharts ein. „Let There Be Rock“ löst sofort hitzige Debatten aus, wegen des in Gibraltar gedrehten Videos, der AC/DC-Hommage im Titel, vor allem aber weil die Keyboard-Fanfare aus „Final Countdown“ von Europe zitiert wird.

Juli/August 1999

„K.O.O.K.“ erscheint. Tocotronic hatten einen langen Nachdenkprozess an den Anfang der Arbeit an diesem Album gestellt. Das Ergebnis: Keine Hass-Lieder mehr, kein Punk-Pop, nicht mehr Identifikations-Dienstleister sein. Die Sprache der Songtexte ist bildhafter, verrätselter, weniger direkt, aber dafür bleibend schöner. Und trotzdem kommen dabei Zeilen und Titel heraus, die sich in Alltagssituationen der Hörer einmischen: „Wir sind raus, und wir sind stolz darauf“, „Das haben sich die Jugendlichen selbst aufgebaut“, „Das Unglück muss zurückgeschlagen werden“. Die überwiegende Zahl der Lieder ist im Midtempo gehalten, ihre Länge lässt viel Platz für Streicher-, Bläser-, Synthesizer-Arrangements. Letztes Mal fiel das Wort „reif“, diesmal fällt das Wort „erwachsen“. Mancher Stagediver mag enttäuscht sein, andere entdecken erstmals, dass Tocotronic eine Band ist, die ihnen etwas in ihrem Leben sagen kann

Das Album steigt auf einem hervorragenden 7. Platz in die deutschen Charts ein und hält sich fünf Wochen unter den Top 50. In Österreich ist es sogar noch eine Woche länger, die höchste Position ist Platz 18.

Parallel sind Tocotronic auch in diesem Sommer wieder auf Festivals unterwegs, kreuz und quer von Losheim bis Puch, von Haldern bis Wiesen, von Erfurt bis zum Bizarre in Köln. Zwischendurch spielen sie auf einem LKW-Anhänger, um gegen einen Nazi-Aufmarsch in Hamburg zu mobilisieren. Oder entern als Alsterpiraten das Vorprogramm eines Konzerts von Tomte in Hildesheim.

Oktober/November 1999

Tomtes Sänger und Gitarrist Thees Uhlmann begleitet Tocotronic auf ihrer Tournee als Gitarrenroadie – und als Chronist: Sein Tourtagebuch wird zunächst auf der offiziellen Website von Tocotronic (www.tocotronic.de) veröffentlicht und erscheint später im Ventil-Verlag in Buchform, unter dem Titel „Wir könnten Freunde werden“. Das Buch gibt einen anekdotenreichen und herrlich distanzlosen Einblick in das Tourleben von den nun meist ganz in schwarz gekleideten Tocs, besonders während der aus zwei 14-tägigen Blöcken bestehenden Herbsttour 1999. Im Vorprogramm spielen in der ersten Tourhälfte die Finnen And The Lefthanded, in der zweiten die Kanadier Weakerthans. Dirk erinnert sich an eine „sehr gute Stimmung“, die unterwegs herrschte; die Atmosphäre sei sehr angenehm gewesen, ein Verdienst auch von Tourmanager Michael Bugmann. Nach dem ersten von zwei Konzerten im Wiener Planet Music eilt Dirk noch ins Flex, um dort für ein Lied mit der Berliner Band Britta auf der Bühne zu stehen.

Ende November schafft es auch die zweite Single aus „K.O.O.K.“ in die deutschen Singlecharts (wenn auch nur gerade so): „Jackpot“ überrascht mit Remixen von den Kölner Kompakt-Leuten Tobias Thomas & Olaf Dettinger und von Fischmob & Erobique. Ein Vorgriff auf das kommende Remixalbum, für das Jan und Arne bereits Kontakte knüpfen.

Am Ende des Jahres läuft der Plattenvertrag mit Motor Music aus. Die Band vergleicht zusammen mit L’Age D’Ors Carol von Rautenkranz die Angebote und unterschreibt schließlich bei Zomba.