In diesem Jahr sind Tocotronic zurück in den Zeitschriftenpolls: Das Album K.O.O.K. schafft es bei den Lesern von Spex auf Platz 3, vom Rolling Stone auf 11 und vom Visions auf 18. Für die Kritiker des Rolling Stone ist es das zehntbeste Album, bei den Kritikern des Musikexpress gibt es Platz 26. Die Spex-Kritiker wählen die Single Let There Be Rock auf Rang 11 ihrer Endabrechnung, bei den Spex-Lesern ist es sogar die Nummer 4, für die Musikexpress-Leser die 10.
Dirk tritt im Februar zusammen mit dem Wiener DJ DSL am Vorabend einer der regelmäßigen Donnerstagsdemos auf, die zum Protest gegen die Regierungsbeteiligung von Jörg Haiders FPÖ durch Österreichs Hauptstadt ziehen. Einen Monat später fliegt die ganze Band in die USA, spielt dort eine Radiosession für ein Chicagoer Collegeradio, beim South-By-Southwest-Festival in Austin, sowie im Brownies im New Yorker East Village (zusammen mit Stella). Aus Anlass dieser Amerikareise wird K.O.O.K. in einer Version mit ins Englische übersetzten Texten veröffentlicht. Tocotronic-Platten werden in den USA von Triage vertrieben. Der holländische Vertrieb ist Konkurrent, und in Holland spielen Tocotronic dann auch im April, seltsamerweise auf einem Festival namens London Calling im Amsterdamer Paradiso. In Paris entsteht das Video zur Vorabsingle aus dem Remixalbum, Freiburg Version 3.0, in dem der Interpretenname Tocotronic vs. Console verkörpert wird: Die drei Tocs kämpfen in Superheldenkostümen gegen den Bösewicht Console. Es war wahnsinnig anstrengend, schnauft Dirk noch in der Erinnerung. Martin Gretschmann alias Console nahm eine Neufassung des Tocotronic-Klassikers Freiburg auf, im Stile seines Hits 14 Zero Zero mit englischem Computergesang.
Sommer/Herbst 2000:
Ende Juli erscheint bei LAge DOr/Zomba das Album KOOK Variationen. Angeregt vom wachsenden persönlichen Interesse an elektronischer Musik, haben Tocotronic das Projekt in Angriff genommen. Gerade nach der langen Arbeit an &Mac226;K.O.O.K. waren wir neugierig darauf, was andere daraus machen, erinnert sich Jan. Teilweise fragten Elektroniker von selbst an, teilweise fragten Tocotronic persönliche Bekannte, teilweise wurden Kontakte über Lado hergestellt. Die Auswahl der Tracks übernahmen hauptsächlich Jan und Arne. Sie sorgten für ein breites Stilspektrum, von Beinahe-Coverversionen (Dakar & Grinser, Justus Köhncke) über eher klassische Remixe (Thomas & Dettinger, Egoexpress, Turner) bis hin zu radikaleren Verfremdungen (Funkstörung, Fever) und da ist DJ DSLs erstaunliche Bar-Version von Let There Be Rock noch gar nicht erwähnt.
Den typischen Problemen von Remixalben zum Trotz (nie wird jemand alle Versionen gleich gut finden), finden die KOOK Variationen ein überwiegend positives Echo und steigen auch auf Platz 82 in die deutschen Albumcharts ein.
Den Rest des Jahres gibt es nur noch vereinzelte Live-Auftritte zum einen Benefiz-Konzerte wie in der Roten Flora für die Jungle World oder in Magdeburg gegen rassistische Gewalt; zum anderen bei Festivals wie etwa dem 20 Jahre Spex-Abend zur Eröffnung der Popkomm, bei dem Rick McPhail sein Debüt als Tourkeyboarder gibt. Rick ist ein langjähriger Freund von Dirk, stammt ursprünglich aus den USA, lebt aber schon lange in Deutschland und spielt in der Band Venus Vegas, die zuletzt eine EP namens Gold bei Fanboy Records/EFA veröffentlicht haben. Und Tomte haben ihm schon 2000 ein Lied gewidmet, den Rick McPhail Song. Mit Rick können die ausgefeilteren Arrangements der neueren Platten live besser umgesetzt werden; bei Studioaufnahmen ist er aber nicht dabei.
Ins Studio nistet sich die Band ab August ein dem Electric Avenue von Tobias Levin, zum Proben von neuen Songs, die diesmal gleich im Studio entwickelt werden sollten.