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keine Veröffentlichungen im Jahr 2004

Waren Tocotronic beim letzten Mal ohne fertige Songs ins Studio gegangen, um sie im Produktionsprozess entstehen zu lassen, findet diesmal die Hauptarbeit wieder im Proberaum statt – und zwar zu viert: Rick McPhail wird offizielles Bandmitglied von Tocotronic. Die dort entstehenden neuen Songs bekommen ihre Livepremiere in eher exotisch wirkendem Zusammenhang: Tocotronic spielen auf Einladung des Goethe-Instituts vier Konzerte in Sibirien. Zehn Tage dauert die Reise, die Jan als „extrem interessant und von den Publikumsreaktion her toll“ bezeichnet.

Danach gehen Tocotronic ins Berlin-Kreuzberger Mamasweed-Studio, um mit Produzent Moses Schneider in nur neun Tagen die meisten Songs des neuen Albums einzuspielen. Zusätzliche Aufnahmen finden im Mushroom- (Berlin) und Soundgarden-Studio (Hamburg) statt. Nach dem langwierigen Werkeln an „Tocotronic“ wird diesmal „live und ohne Kopfhörer“ eingespielt – mit Rick an der zweiten Gitarre, ein deutlich hörbares neues Element im Bandsound. Abgemischt wird das Ganze erneut von Michael Ilbert, diesmal im Puk-Studio in Dänemark.

Die Umstände der Popkultur in Deutschland machen ein Debattenstatement von Tocotronic nötig: „Sehr geehrte Damen und Herren, wie schon an anderer Stelle vermerkt, lehnen wir, die Gruppe Tocotronic, Nationalismus, Deutschtümelei und Heimatduseligkeit seit Anbeginn aller Zeiten ab. Umso erstaunter sind wir nun, dass schon zum zweiten Mal in unsrer bewegten Karriere der Versuch unternommen wird, deutsche Musik zu nationalisieren und eine Quote für hiesige Produktionen im Rundfunk einzurichten. Gerechtfertigt wird dies mit zweifelhaften wirtschaftlichen Argumenten. Wohin die Reise geht ist völlig klar: Wir sind wir, auferstanden aus Ruinen und fühlen uns deutsch und sexy und haben es satt uns im eigenen Land ständig marginalisiert zu fühlen, wir werden förmlich überschwemmt von der angloamerikanischen Kulturindustrie, es gibt doch eine coole, heimatverbundene deutsche Musikszene, der geholfen werden muss und pi, pa und po. Wir sagen ganz deutlich, wie so oft in unserem Leben: Wir sind dagegen! Und fragen: Lebt denn der alte Holzmichl noch? Mit herzlichem Gruss, Tocotronic“

Außerdem gilt es, weitere Nebentätigkeiten der Bandmitglieder zu vermelden: Dirk schreibt weiterhin gelegentlich für Texte Zur Kunst und liest zudem zwei Texte vor von HP Lovecraft für ein Hörbuch. Jan gründet zusammen mit dem Blumfeld-Manager Oliver Frank den Müller + Frank-Musikverlag und kümmert sich u.a. um Ida Red, La Grande Illusion und Julia Hummer. Arne veröffentlicht unter dem Namen DJ Shirley beim Label Scheinselbstständig und als Arne Zank bei L’Age D’Or je eine EP. Und Rick schließlich spielt Tour-Keyboard bei Karl Bartos und arbeitet an seiner eigenen Band Glacier. Aus der Vergangenheit meldet sich hingegen eine Seven-Inch-Veröffentlichung mit Proberaumaufnahmen von Punkarsch, der prä-Tocotronic-Band von Jan und Arne.

Am 1. Januar 2005 werden Tocotronic das Neujahrskonzert in der Berliner Volksbühne spielen. Und schon am 17. Januar erscheint „Pure Vernunft Darf Niemals Siegen“, das neue Album von Tocotronic.